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Gibt es Werwölfe wirklich?

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Liebe Leserin, lieber Leser,

 

gibt es Werwölfe wirklich? Seit Jahrhunderten liest und hört man von beeindruckenden Schilderrungen und Augenzeugenberichten. Aber was ist denn überhaupt ein Werwolf?

 

Fast in allen Kulturen der Weltgeschichte, sind Verwandlungen vom Menschen in Tiere oder in Mischwesen bekannt. Der Begriff „Werwolf“ bezeichnet das Mysterium, das sich ein Mensch unter besonderen Umständen nachts in ein Tier verwandeln kann und bei Tagesanbruch wieder seine menschliche Gestalt annimmt.

 

Dies nennt man auch Lykanthrophie (von griechisch Lýkos, „Wolf“ und Anthrōpos, „Mensch“) und bezeichnet die Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf (Wolfsmenschen). Im alten Griechenland gab es die Sage von König Lykaon von Arkadien, der wegen Opferung eines Kindes in einen Wolf verwandelt wurde.

 

Der Ursprung der Werwolf-Sagen ist in den kultischen der Festen der Skythen zu suchen, bei deren Feierlichkeiten man sich mit einem wolfsgestaltigen Gott vereinte, indem man sich mit einem Wolfsfell bekleidete. Von den Skythen wurde dann dieser Brauch an die Germanen überliefert, wobei in späterer Zeit nur die Sage überblieb und der Ursprung vergessen wurde.

 

Im Zuge der mittelalterlichen Inquisition nahm man die Mähr vom Werwolf gerne als Anlass, Menschen zu verurteilen und hinzurichten. Das mittelalterliche Köln erlebte im Jahre 1589 die wohl aufregendste und populärste Anklage gegen einen Werwolf. Der Bauer Peter Stubbe wurde hingerichtet, weil er laut Zeugenaussagen angeblich rund ein Dutzend Kinder umgebracht und sich an mehreren Mädchen vergangen haben sollte. Strittig ist bis heute, ob es sich bei diesem Prozess tatsächlich darum drehte, Peter Stubbe als Werwolf zu verurteilen, oder es sich um einen arrangierten Prozess handelte, der lediglich dazu dienen sollte, sich eines politischen Querulanten zu entledigen. Der Fall Stubbe stieß auch außerhalb Deutschlands auf großes Interesse, es wurden sogar Handzettel verteilt, auf denen in Wort und Bild die vermeintlichen Untaten Stubbes sensationslustig bis ins kleinste Detail geschildert wurden.

 

Der Fall trug sehr zur Verbreitung des Werwolfmythos bei und war für die mittelalterliche katholische Kirche ein neuerlicher Grund, um Menschen und Tiere zu verteufeln. Schnell sprachen sich die Geschichten herum und häufig kam es vor, dass so mancher ängstlicher Mensch in allem und jedem einen Werwolf sah.

 

Eine der schönsten Werwolfgeschichten, die mir jemals zugetragen wurde, ist die Geschichte von Marinka und Paul. Im 18. Jahrhundert lebte die junge, wunderschöne Marinka in einer kleinen Bauernkate am Rande des Waldes der Masuren. Als Vollwaise erarbeitete sie sich ihren Lebensunterhalt mit dem Hüten von Schafen. Eines Tages bemerkte sie große Aufruhr in ihrer Herde. Ein Wolf hatte sich angeschlichen und versuchte ein junges Lamm zu reißen. Marinka ergriff geistesgegenwärtig einen Stein und warf ihn dem Wolf an den Kopf. Der Wolf heulte auf und ergriff die Flucht ins nächste Dickicht.

 

Wenige Minuten später kam ein junger Mann aus dem Gehölz hervor und schaute Marinka traurig an. Marinka erschrak, denn sie erkannte die Augen des Wolfes wieder. Mit ihrem starken Glauben zu Gott rief sie ihm beherzt zu: “Hab keine Angst! Ich habe mit meinem Herzen Dein wahres Gesicht erkannt!“ doch der Mann rannte fort. Einige zeit später erschien er Marinka noch einige male und sie verliebten sich ineinander. Den Dorfbewohnern blieb es nicht verborgen, das die fromme Marinka zeitweilig Herrenbesuch bekam und eines nachts beschlossen sie sie zu beobachten, stellten dabei jedoch entsetzt fest, das der Mann die Gestalt eines Wolfes annahm. Marinka wurde bezichtigt einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben und verurteilt. Auf wundersame Weise jedoch gelang ihr die Flucht. Man suchte nach ihr doch sie wurde nie gefunden.

 

So hat sich bis heute diese Geschichte weiter getragen und immer wenn des Nachts die Wölfe heulen, dann sagt man in Masuren, es seien Marinka und Paul die ihre Liebe beweinen. Seit je her galt der Wolf auch als Reittier von Hexen.

 

Dies wird im wohl bekanntesten Buch der Inquisition, dem so genannten Hexenhammer, beschrieben. Im Mittelalter begannen damit auch regelrechte Hetzjagden auf Wölfe. So verpflichtete beispielsweise Karl der Große seine Ritter dazu, nicht nur die heidnischen Sachsen zu verfolgen, sondern auch jeden Wolf zu töten, der ihnen unterwegs begegnete. Der Adel kam diesem neuen Volkssport gerne nach und züchtete für die Jagd auf Wölfe eine neue Hunderasse, den irischen Wolfshund.

 

In späteren Zeiten des Mittelalters wurde das Problem der Wolfswerdung von den damaligen Wissenschaftlern jedoch ernster genommen. So untersuchte man, ob es tatsächlich möglich wäre, sich in ein Tier zu verwandeln und kam zu dem Schluss, das bestimmte Hexen und Hexenmeister sich mit Hilfe einer magischen Salbe in Werwölfe verwandeln konnten. Man einigte sich darauf, dass sich dies nicht mit den göttlichen Lehren vereinbaren ließe und so wurde auch im „Malleus maleficarum“ (Hexenhammer) schriftlich fixiert, dass es sich um ein Trugbild des Teufels handle, was vor allem in Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz Folter und den Tod auf dem Scheiterhaufen vieler tausender Männer und Frauen bedeutete.

 

Wie auch bei den Hexenprozessen reichte eine geringe Beschuldigung (allein schon der Verdacht) aus, um einen vermeintlichen Werwolf auf den Scheiterhaufen zu bringen. Das Urteil stand schon vorab fest und wer die gewünschten Antworten nicht lieferte wurde gefoltert bis er gestand. Heutzutage weiß man, dass es eine Reihe von medizinischen Erklärungen gibt, warum ein Mensch irrtümlich für ein Wolf gehalten wird. Die grausame Erbkrankheit Porphyrie verursacht eine gelbliche, oft behaarte Haut, die extrem lichtempfindlich sein kann. Daher können die Erkrankten nur im Dunkeln hinausgehen, um keine Gewebeschäden zu riskieren. Ihre Hände sind von Geschwüren deformiert, so dass sie oft wie Tierpfoten erscheinen.

 

Auch so genannte Mutterkornvergiftungen, die durch verdorbenen Roggen ausgelöst wurden, waren in Europa spätestens seit dem neunten Jahrhundert leider weit verbreitet. Die häufig tödlichen Vergiftungen konnten lebhafte Halluzination der unterschiedlichsten Art hervorrufen. Im toxischen Wahn verhielten sich die Betroffenen oftmals wie ein wildes Tier und griffen bestialisch ihre Mitmenschen an. Bei psychischen Erkrankungen, unter anderem der Lykanthrophie, manifestieren sich kannibalische Wunschphantasien. Eine Krankheit, in der die Patienten mit mörderischer Veranlagung, ihren Trieb zu töten einem Tierwesen zuschreiben und die Verantwortung an ihr animalisches „Ich“ übergeben. In ihrer Wahnvorstellung betrachten sie sich irgendwann nur noch als das Tier.

 

Ein weiterer Aspekt der heutigen Werwolf-Geschichten ist die Verbindung mit dem Vollmond. Der Lauf des Mondes hat einen großen Einfluss auf Menschen und Pflanzen, was auch den Kelten bereits bekannt war. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass die magische Verwandlung eines Menschen in einen Wolf auch heute noch mit dem Mond in Verbindung gebracht wird.

 

Wie wir gesehen haben, gibt es Tiermenschen auf der ganzen Welt und in vielen unabhängigen Kulturkreisen. Die Wolfsmenschen sind ein Teil der Kulturen jener Länder, in denen Wölfe vorkommen. Aber die Geschichten von Menschen, sich in einen Wolf und wieder zurück verwandeln können, findet man vornehmlich in Europa. Jede Generation machte dieses Monster noch etwas gefährlicher und fügte noch ein Detail hinzu.

 

Weil die Werwolf-Geschichten sich über so eine lange Zeit entwickelt haben ist es sehr unwahrscheinlich, dass tatsächlich ein Werwolf existiert, wie er heute beschrieben wird. Es wird mit solchen falschen Wahrheiten wieder nur einmal deutlich, wie schnell sich irgendwelche Phantasien der Menschen herum sprechen und wie schnell Personen auf Grund einer Krankheit oder ihres Äußeren unschuldig verurteilt werden.

 

Meinem Erachten nach gibt es den Werwolf, den wir aus Märchen, Sagen und Hollywoodfilmen kennen, nicht. Somit glaube ich auch nicht an echte Werwölfe, die in Vollmondnächten Jagd auf Menschen machen. Höchstens an psychisch kranke Menschen, die meinen ein Werwolf zu sein.

 

Also haben Sie keine Angst vor Wölfen, sondern betrachten Sie diese als wunderbare Tiere, die sich Gott sei Dank auch wieder in unseren heimischen Wäldern ansiedeln nachdem Sie fast ausgerottet wurden und verurteilen Sie niemals einen Menschen als Werwolf, denn diese gibt es nicht!

 

 

Ich wünsche Ihnen nur gute Begegnungen mit Mensch und Tier!

Herzlichst Ihre

Ihre Susanne Klimt

 

Bei Fragen zu paranormalen Phänomenen, Spukerscheinungen und außergewöhnlichen Dingen stehe ich Ihnen gerne mit meiner über 35 Jahre zählenden Berufserfahrung als Expertin für paranormale Phänomene hilfreich zur Seite.

Kleine Kräuterkunde Teil II

 

Susanne Klimt bei Atlantis4u